Rechnungsstress: Abteilung Lach- und Sachgeschichten

 

Homo sum, humani nihil a me alienum puto. Das ist einer der schönen Sätze, die mir aus dem Pauken fürs Kleine Latinum noch geblieben sind. Übersetzt bedeutet das laut Augustinus bereits im antiken Theater vom Publikum heftig beklatschte geflügelte Wort: Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches, denk ich, ist mir fremd. Ja, das denkt man sich halt so. Doch neulich hat mich ein Handwerker – obwohl auch ein Mensch – so richtig befremdet.

Die Abschlagsrechnung

Tatsächlich war ich nicht nur unangenehm berührt und erstaunt, sondern bekam einen echt dicken Hals. Der Grund für meine fiktive Schwellung war eine Mail, die, geschrieben von unserem Gartenbauer, mich am schönen Samstagnachmittag erreichte. Sie bezog sich auf eine Abschlagsrechnung die er uns geschrieben hatte. Rechnungsdatum: 8.6.2017; Skonto bis 16.6.2017. Zahlungsziel: 29.6.2017.

 

Schlechte Zahlungsmoral?

Der Inhalt war so unglaublich schräg, dass ich ihn einfach im O-Ton zitieren muss. Das also schrieb der gute Herr Gartenbauer: „Ich habe Ihnen mit unserer 1. Abschlagsrechnung Skonto bis zum 16.06.2017 gewährt. Wir konnten keinen Zahlungseingang feststellen. Weil Sie das nicht genutzt haben, werte ich dieses als Anzeichen für schlechte Zahlungsmoral bzw. Zahlungsunfähigkeit.“ Oha, dachte ich. Wer den kleinen Rechnungsnachlass nicht in Anspruch nimmt, hat eine schlechte Zahlungsmoral oder ist gar pleite?

 

Er will die Arbeit einstellen

Doch Leute, es kam noch dicker: „Sollten wir bis Dienstag 20.06.2017 keinen Zahlungseingang feststellen, behalten wir uns vor, die Arbeiten umgehend einzustellen, damit uns nicht weitere Kosten entstehen welche dann nicht beglichen werden.“ Wie jetzt? Das Zahlungsziel ist doch der 29.6.! An dieser Stelle der Mail konnte ich den wirren Gedanken des Schreibers vollends nicht mehr folgen.

 

Wie die Sendung mit der Maus

Kommen wir zum Schlusssatz, mit dem uns der gute Mann doch noch eine letzte Chance gab. Generös eröffnete er uns „die Möglichkeit eine entsprechende Bankbürgschaft vorzulegen“. Jetzt fand ich die Mail doch irgendwie spaßig. Allerdings, jetzt hatten wir quasi ein Problem! Wir werden die Rechnung nämlich vom Girokonto bezahlen. Und dafür kann es leider gar keine Bankbürgschaft geben… Da wir an dieser Stelle eher in der Abteilung Lach- und Sachgeschichten – ihr kennt das aus der Sendung mit der Maus – angelangt sind, versuchen wir doch mal das Ganze, so kindisch es ist, dennoch irgendwie tiefgründiger zu betrachten.

 

Braucht der Mann Geld?

Da ist also ein mehr oder weniger erfahrener Geschäftsmann, der von der Angst getrieben ist, sein Geld nicht zu bekommen. Hat der arme Mann schon traumatisch schlechte Erfahrungen mit säumigen Kunden gemacht? Oder braucht er, um seine Familie zu ernähren, ganz dringend Geld? Wir wollen nicht mutmaßen und das Verhalten auch nicht als Anzeichen für irgendwas werten. Denn wir sehen ja, wohin sowas führen kann.

 

Der Gartenbauer ist weg

So, jetzt wollt Ihr sicher wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Ganz ehrlich: Wir wissen es noch nicht. Denn wir haben den Gartenbauer gebeten, die Arbeiten mit sofortiger Wirkung einzustellen, unverzüglich seine Gerätschaften von unserem Grundstück zu entfernen und eine Schlussrechnung zu stellen. Fazit: Der Gartenbauer ist weg, die Baustelle bleibt Baustelle – mit viel Staub und Erde, jeder Menge Material und einem Berg von Resten (siehe Bild oben).

Im Moment suchen wir also einen anderen Gartenbauer, der bei uns weitermacht. Und wir sind gespannt auf die noch ausstehende Schlussrechnung. Natürlich werden wir euch vom weiteren Fortgang berichten…

2 Gedanken zu „Rechnungsstress: Abteilung Lach- und Sachgeschichten

  • 22. Juni 2017 um 8:51 pm
    Permalink

    Eine unfassbar groteske Geschichte! Wir bauen derzeit in Ihrer Nähe auch ein Schwörer Haus und würden gerne vermeiden bei den in Zukunft bevorstehenden Gartenbauarbeiten ausgerechnet an diese Firma zu geraten!

    Besten Dank und viele Grüße

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