Kellerbau: Nutzkeller? Wohnkeller? Fertigkeller?

Ratgeber Kellerbau - KellermontageWenn die Entscheidung für den Bau eines Kellers – statt „nur“ Bodenplatte – gefallen ist, stellt sich eine Reihe von Fragen nach der Art des Untergeschosses: Welche Bauweise? Ganz- oder Teilkeller? Reiner Nutz- oder voll ausgebauter Wohnkeller? Ihr seht, dass man sich schon eingehender mit dem Thema auseinandersetzten sollte. Deshalb ist unser Beitrag auch recht lang geworden…

Mängelschwerpunkt Keller

In allererster Linie muss ein Keller dauerhaft wasserdicht sein. Vor diesem Hintergrund ist die Bauweise zu entscheiden. Ein Keller kann aus Ziegel- und anderen Steinen gemauert werden. Es gibt auch Schalungssteine, die aufgeschichtet und dann mit Beton ausgegossen werden. So oder so gilt: So ein Kellerbau dauert erstens relativ lange, man ist abhängig von der Witterung – und es kommt nicht zuletzt auch auf die Tagesform des Maurers an.

Dazu die Erfahrungen beim Verband Privater Bauherren (VPB): „Zentrales Problem beim Keller ist immer die Abdichtung“, und weiter: „Zu den Mängelschwerpunkten am Bau gehören immer wieder die Keller“ (Quelle: www.vpb.de).

Warum ein Fertigkeller?

Mehr Sicherheit gibt ein Fertigkeller aus Leichtbeton oder Stahlbeton, dessen Wand- und Deckenelemente im Werk vorgefertigt und dann mit Hilfe eines Autokrans aufgebaut werden. Die Innenwände sind einschalig massiv, die Außenwände weisen oft eine zweischalige Konstruktion aus innerer und äußerer Platte auf, die man mit Ortbeton ausgießt. Auf diese Weise bekommen Bodenplatte und Außenwände einen festen Verbund.

Weitere Argumente pro Fertigkeller: Die computergesteuerten Fertigungsabläufe stehen für hohe Präzision und Maßhaltigkeit. Das gilt für die Länge von Wänden, die wichtigen Deckenaussparungen, die zum Haus passen müssen, für rechte Winkel usw. In den Wänden lassen sich werksseits bereits Leerrohre und Vorinstallationen einbringen; das allerdings bedeutet in aller Regel Zusatzkosten.

Was in der Baupraxis ebenfalls sehr wichtig ist: Die Keller-Vorfertigung ermöglicht verbindliche Termine mit einem raschen Kelleraufbau, der relativ wetterunabhängig selbst im Winter binnen Stunden oder Tagen über die Bühne geht. Und mit einem vorher garantierten Festpreis bildet der Fertigkeller die ideale bauliche Basis fürs (Fertig-)Haus.

Ratgeber Kellerbau - Fertigkeller

Reicht ein Teilkeller?

Auch das gibt es: Teilkeller in Beton-Fertigbauweise. Das kann sich bei einer Hanglage des Grundstücks anbieten. Manche Fertigkellerhersteller bieten Kellerboxen an, die zur Lagerung oder zur Unterbringung der Haustechnik im Untergeschoss dienen. Man kann diese außerhalb der „thermischen Gebäudehülle“ platzieren, und wenn es einen separaten Zugang gibt, laufen einem Monteure und Handwerker nicht durchs.

Hochkeller spart Kosten

Auf ebenem Bauplatz stellt ein sogenannter Hochkeller – sofern vom örtlichen Bebauungsplan erlaubt – eine mögliche Alternative dar. In diesem Fall ragt das Untergeschoss einen halben, einen ganzen Meter oder noch weiter aus dem Boden heraus Ein Vorteil: Es fallen weniger Kosten für Aushub, Erdabfuhr und Deponierung an.

Nutzkeller oder Wohnkeller?

Wenn der Keller für die Haustechnik, als Brennstofflager, zum Wäschewaschen sowie zur Lagerung, als Werkstatt etc. genutzt werden soll, spricht man von einem Nutzkeller.

Dieser muss eigentlich nur frostfrei und trocken sein. Hinsichtlich des Feuchteschutzes spricht man von einer schwarzen oder weißen Wanne. Schwarze Wannen erhalten zur Abdichtung eine vollflächige (schwarze) Bitumenschicht, weiße Wannen sind besonders konstruiert und werden aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton) gegossen.

Solche weiße Wannen sind dort nötig, wo mit aufstauendem oder „drückendem“ Wasser im Untergrund zu rechnen ist.

Ratgeber Kellerbau - Bitumenanstrich

Beim Nutzkeller trennt die wärmegedämmte Kellerdecke den beheizten Bereich als thermische Trennung vom „kalten Keller“. Gibt es eine Innentreppe als Geschossverbindung, sind auch Wärmeschutzmaßnahmen in dem Treppenhaus nötig.

Wohnraum im Untergeschoss

Darüber hinaus kann man das Untergeschoss – insbesondere einen Hangkeller – zumindest teilweise zur Erweiterung des Wohnraums nutzen. Ob Hobby- und Bastelraum, Hauswirtschaftsraum, Heimbüro, Gästezimmer oder komplette Einliegerwohnung: Wenn man den Keller richtig nutzen möchte, müssen bereits in der Planungsphase einige Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Dazu zählen unter anderem Mindestraumhöhe, ausreichende Belichtung und Wärmeschutz. Der Architekt weiß, welche Mindestanforderungen das Baurecht dazu stellt. Wichtig: Die Vorgaben in den Landesbauordnungen (LBO) sind in diversen Punkten unterschiedlich!

Wohnkeller und Effizienzhaus

Der Wärmeschutz ist heutzutage ein heißes Thema. Denn in Zeiten der KfW-Effizienzhausklassen 55 und 40 – mit entsprechender finanziellen Förderung(!) muss genau gerechnet werden. Generell kann man sagen, dass es aufwendig und teuer wird, ein Haus mit Wohnkeller als Effizienzhaus 40 zu realisieren. Und bereits bei einem Effizienzhaus 55 muss das Untergeschoss rundherum dick „eingepackt“ werden; das bedeutet zum Beispiel eine Wärmedämmschicht unter der Bodenplatte und Außenwanddämmungen mit einer Stärke von zwölf und mehr Zentimetern.

Keller radonsicher

Unter Umständen gilt es, den Keller bzw. die Hausbewohner speziell zu schützen. Vor Radon nämlich, einem natürlich vorkommenden, radioaktiven Gas, das nach dem Rauchen als zweite Hauptursache für Lungenkrebs gilt. Es kann durch das Untergeschoss ins Haus dringen und die Raumluft auch in den oberen Geschossen gefährlich anreichern. Das gilt vor allem für die süd- und südöstlichen Mittelgebirgslandschaften in Deutschland. Erfahrene Fertigkellerhersteller können zum Thema beraten und radonsicher ausgeführte Fertigkeller anbieten.

Rohbaukeller oder fix und fertig?

Einen Fertigkeller kann man in unterschiedlichen Ausbaustufen vom Rohbau-Fertigkeller über den Ausbau-Fertigkeller bis hin zum Komplett-Fertigkeller bekommen. Den Einspareffekt durch Eigenleistungen bestimmt der Bauherr. Allerdings tragen die einzelnen Baustufen von Hersteller zu Hersteller ganz unterschiedliche Namen und es ist nirgendwo verbindlich definiert was die eine oder andere Ausbaustufe umfasst.

Bau-Leistungsbeschreibung lesen

Verbindliche Auskunft darüber, was im einzelnen Kellerangebot jeweils drin ist, gibt allein eine detaillierte Bau- und Leistungsbeschreibung. Ein erstes Indiz für die Seriosität des Fertigkelleranbieters kann seine Mitgliedschaft in der Gütegemeinschaft Fertigkeller (GÜF) geben, die dessen Produkten das „RAL-Gütezeichen Fertigkeller“ verleiht.

Welche Möglichkeiten bzw. Vertragskonstellationen es beim „Kauf“ eines Fertigkellers (zum Fertighaus) gibt, ist uns einen gesonderten Beitrag wert. Dazu bald mehr.

2 Gedanken zu „Kellerbau: Nutzkeller? Wohnkeller? Fertigkeller?

  • 30. November 2016 um 7:05 am
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    Die Frage „Mit Keller oder Bodenplatte bauen?“ fordert von Bauherren schon frühzeitig eine – im wahrsten Sinne des Wortes – fundamentale Entscheidung. Bauherren, die sich nicht sicher sind, ob sie Bedarf an zusätzlichem Stau- oder Wohnraum haben, sollten sich, sofern es das Budget zulässt, für den Hausbau mit Keller entscheiden. Denn mal ehrlich: zusätzlicher Raum ist allemal besser, als später feststellen zu müssen, dass das Platzangebot nicht mit den eigenen Bedürfnissen mithalten kann.

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    • 30. November 2016 um 10:31 am
      Permalink

      Hallo Family Home!
      Ganz eurer Meinung. Deshalb haben wir auch MIT Keller gebaut. Wir nehmen eure Anregung zum Anlass, das Thema „Keller oder Bodenplatte?“ in einem eigenen Blog-Beitrag aufzugreifen. Vielleicht schon heute – oder zumindest die nächsten Tage.

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