Kontrollierte Wohnraumlüftung: Frisch und leise

„Na, gut geschlafen?“, fragt meine Frau am Morgen. Antwort: „Wie ein Bär im Winterschlaf.“ Die frische Luft im Schlafzimmer hat mir offenbar gut getan, außerdem habe ich nichts von den Güterzügen mitgekriegt, die seit der Sperrung der Rheintalbahn nachts verstärkt in der Nähe unseres Wohngebiets vorbeidonnern. Unserer Anlage zur automatischen Wohnraumlüftung sei Dank!

 

Frischluft serienmäßig

Ja, in diesem Blogbeitrag geht es um die kontrollierte Be- und Entlüftung in unserem Schwörer Healthy Home. Insbesondere im Fertighausbau ist diese Haustechnik schon längst usus, und wenn man ein energiesparendes KfW-Effizienzhaus mit besonders dichter Gebäudehülle baut, ist sie unverzichtbar. Speziell Schwörer baut seit 1983 in jedes Schwörer-Haus serienmäßig so eine Lüftungsanlage ein. Aber wir hatten bisher halt noch keine Erfahrung mit einer kontrollierten Lüftung im Haus.

 

Laut und zugig?

Wir waren deshalb sehr gespannt, wie es sich mit so einer Lüftungsanlage wohnt. Wie fühlt sich das an? Zieht es vielleicht in den Räumen? Ist das Einströmen der Luft laut? Wir hatten wichtige Fragen, und haben jetzt die Antworten für euch.

 

Keine Klimaanlage

Doch zuerst kurz zur Arbeitsweise der zentralen Lüftung. Das Prinzip ist ganz einfach: Durch Lufteinlässe in den Decken wird verbrauchte, das heißt auch feuchte und warme Luft in Küche, Bad und WC abgesaugt, und gleichzeitig strömt frische Luft, die von draußen angesaugt wird, durch Luftauslässe in Wänden und Decken in die Wohn- und Schlafräume nach. Wichtig zu wissen: So eine Lüftungsanlage ist also keine Klimaanlage.

 

Fast lautlos frische Luft

Unsere Erfahrungen dazu: Es gibt keine unangenehmen Zugerscheinungen, und das Absaugen beziehungsweise Einströmen der Luft hört man so gut wie nicht; da muss man schon ganz nah rangehen und das Ohr an die Lufteinlässe halten. Stattdessen erleben wir die Vorzüge der kontrollierten Wohnraumlüftung tagtäglich – und wie eingangs beschrieben – vor allem auch nachts.

 

Komfortabel lüften

Wohnmediziner und andere Experten empfehlen für die Raumlufthygiene, die Innenraumluft alle zwei Stunden komplett auszutauschen. Doch wie soll das gehen, wenn man tagsüber arbeiten ist? Und nachts soll ich alle zwei Stunden aufstehen und die Schlafzimmerfenster aufreißen? Absolut unrealistisch. Unsere Lüftungsanlage dagegen macht das ganz von alleine. Falls gewünscht, 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr. Komfortabler geht´s nicht.

 

Luft- und Pollenfilter

Im Haus haben wir nicht nur ständig frische Luft, sondern auch saubere. Denn erstens tauscht die Anlage die Raumluft ja permanent aus, und die Zuluft wird gefiltert, sodass Staub und Schadstoffe gar nicht erst rein kommen. Zusätzlich haben wir in dem Edelstahl-Ansaugrohr draußen einen Pollenfilter eingebaut. Der ist insbesondere für Allergiker ein wahrer Segen. Die Absaugung der feuchten Duschluft in den Bädern ist ein weiterer Vorteil für sich.

 

80 Prozent Wärmerückgewinnung

Bei Schwörer-Haus heißt die Anlage zur Be- und Entlüftung „WärmeGewinnTechnik“, oder einfach nur kurz „WGT“. Das hat seinen Grund. Die Wohnraumlüftung sorgt nämlich nicht nur für frische Luft im Haus, sondern spart durch Wärmerückgewinnung auch wertvolle Heizenergie. Diese vollzieht sich im Lüftungsgerät, das bei uns im Technikraum im Keller an der Wand hängt. In dem Gerät sitzt ein Wärmetauscher (genauer, ein „Gegenstromwärmetauscher“) der die Wärme aus der Abluft ohne Luftvermischung auf die einströmende, frische Außenluft überträgt. Laut Schwörer-Haus wird der Abluft über 80 Prozent der Wärmeenergie entzogen, die wir beim Lüften von Hand zum Fenster rausheizen würden.

Bei Hitze bleibt die Lüftung aus

Wie das im Winter werden wird, wissen wir jetzt natürlich noch nicht. Zum Sommer können wir folgendes sagen. Wenn es tagsüber extrem heiß war, haben wir die Lüftungsanlage auch mal abgeschaltet, damit wir die heiße Luft von draußen nicht ins Haus „ziehen“, und bei Bedarf stattdessen lieber mal ein Fenster auf der Nordseite geöffnet. Das Abschalten geht ganz einfach per Fingertipp auf einem Touchpad im Wohnzimmer. So schaltet man die Anlage, die vier Lüftungsstufen hat, dann auch wieder ein.

 

Filterwechsel leicht gemacht

Das Touchpad zeigt auch an, wenn ein Filter gewechselt werden muss. Ein Filterwechsel steht ca. alle drei Monate an. Das sind aber nur ein paar Handgriffe am Lüftungsgerät bzw. am Absaugschlitz in der Küche. Bei den Zu- und Abluftschlitzen (Fotos unten) haben wir uns bei der Bemusterung des Hauses übrigens die aus unserer Sicht formschöneren „Upgrades“ gegönnt.

Minimaler Stromverbrauch

Bleibt noch die Frage, wie viel Strom unsere kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung verbraucht. Das können wir direkt im Display unseres Solarstromspeichers sehen, der permanent den Stromverbrauch im Haus anzeigt. Und das geht so: Ich stehe, wenn die Wärmepumpe nicht läuft, vor dem Speicher und meine Frau schaltet den Kühlschrank, als aktuell einzigen Stromverbraucher, aus. Verbrauchsanzeige: 0,1 Kilowatt. Der Hammer ist: Wenn ich eine Glühbirne anschalte, die noch in einer provisorischen Fassung im UG-Flur steckt, verbraucht die auch genau 0,1 Kilowatt.

 

10 Gedanken zu „Kontrollierte Wohnraumlüftung: Frisch und leise

  • 3. November 2017 um 9:52 am
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    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. In der Lufttechnik gibt es ja ständig Innovationen. Dank Smart Home wird wohl noch einiges dazu kommen.

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    • 3. November 2017 um 10:59 am
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      Freut uns, dass Ihnen der Beitrag gefällt. Und ja, die Innovationen gehen ständig weiter. Wir sind z.B. gespannt, wie sich die unterschiedlichen Systeme „Zentrale Lüftung“ und „dezentrale Lüftung“ weiter entwickeln/durchsetzen werden. Zum Thema Smart Home: Bei uns ist die Anlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung (noch) nicht in die Tahoma-Gebäudeautomation integriert. Aber wer weiß, was da noch kommen wird…

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  • 27. Februar 2018 um 12:15 pm
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    Hallo einen sehr schönen Block haben Sie,

    wir haben auch eine KWL seit diesem Jahr eingebaut und uns wurde ein Diffusionsluftbefeuchter empfohlen. Der Grund dafür, dass es im Winter durch die KWL sehr trocken werden soll. Denn diese entzieht der Luft die Feuchtigkeit (wurde uns gesagt).
    Stimmt das, können Sie das bestätigen ? Bis jetzt haben wir nur die KWL aber wir können es, angeblich, unkompliziert nachrüsten.

    Vielen Dank im Voraus

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    • 27. Februar 2018 um 7:56 pm
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      Hallo Julian, danke fürs Kompliment! Also, seit es draußen die letzten Tage so eisig und trocken ist, haben wir auch im Haus trockene Luft. Von der Luftbefeuchtung haben wir auch schon gehört. Wir wollen uns in den nächsten Tagen schlau machen, welche Möglichkeiten wir bei unserer „Schwörer-WGT“-Lüftungsanlage haben. Gerne berichten wir, wenn wir mehr wissen. Bis dahin: Wäsche im Wohnzimmer auf dem Ständer trocknen… 😉

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  • 28. Februar 2018 um 12:32 pm
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    Hallo,
    vielen Dank. Das wäre super :).

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    • 1. März 2018 um 12:27 pm
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      Hallo Julian, wir haben jetzt von Schwörer-Haus die Antwort bekommen, dass man unsere KWL (Schwörer-„WGT“) umrüsten kann. Das heißt, der Standard-Wärmetauscher wird durch einen sogenannten Enthalpie-Wärmetauscher für die Feuchtigkeitsrückgewinnung ersetzt. Lt. Techniker bringt das ca. 5 – 10 Prozent mehr Laumluftfeuchte. Das werden wir wohl machen. Hoffe, Ihnen geholfen zu haben.

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  • 20. März 2018 um 1:01 pm
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    Hallo! Danke für die tollen Infos! Mich würde interessieren wie weit Sie von der Rheintalbahn weg wohnen und ob der Schallschutz so gut ist wie von Schwörer angegeben. Haben Sie Standard- oder Schallschutz-Fenster eingebaut?

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    • 22. März 2018 um 6:35 pm
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      Hallo zurück. Rheintalbahn? Die ist 50 km von uns weg… Zur Frage Fenster: Soweit wir wissen, waren die Dreischeiben-Standardfenster von Schwörer (Hersteller Gutbrod) für unsere erhöhten Schallschutzanforderungen wegen der Bahnlinie ausreichend. Die etwas weiter entfernt vorbeifahrenden Züge stören uns nicht.

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  • 28. März 2018 um 8:41 am
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    Hi! Gemeint war hier wohl in welcher Entfernung (in Meter) die oben genannten Güterzüge der Rheintalbahn am Fenster vorbeifahren und mit welchen Schallschutzwerten (in dB) die bei euch verbauten Fenster ausgestattet sind. Das würde mich auch interessieren. Vielen Dank.

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    • 29. März 2018 um 2:16 pm
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      Hi Frank, wie gesagt: Die Rheintalbahn ist 50 KILOMETER von uns weg. Damit haben wir nichts zu tun. Zum Fensterschallschutz: Die Standardfenster mit Drei-Scheiben-Verglasung haben folgenden Schallschutzwert: Rw,p = 33 dB. Können Sie was damit anfangen?

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